Emertshamer Maibaumdiebe bringen den Tachertinger Maibaum zurück
Ein gigantisches Maibaumfest mit Besucherrekord
25 Meter Baum mit 18 Taferln schmückt nun den "Rathausplatz" - 120 Liter Bier, 100 Rüscherl und Essen für die Maibaumdiebe
Tacherting. "Gigantisch, überwältigend, unvorstellbar", so emotional fasste der Vorsitzende der Enzianfreunde Florian Belitzer den Besucherandrang beim Maibaumaufstellen in Tacherting zusammen. Von Mittag bis zum Nachmittag hin, bis der Baum stand, dürften es laut Veranstalter rund 2000 Besucher gewesen sein, die das Spektakel miterleben wollten. Schließlich ist es schon 25 Jahre her, dass sowas in Tacherting stattfand. Und damals arrangierte das der Trachtenverein mit rund 500 Gästen. Dieses Mal waren die Veranstalter die Enzianfreunde Tacherting e. V.. Und das war ein unvergessliches Fest, wo alle Ortsvereine mithalfen, sich um die Auswahl an Getränken und Essen kümmerten und den Tag über mehr als beschäftigt waren. Vor allem war es aber ein Fest, dass verdeutlichte, dass Tacherting lebt, dass alle Vereine miteinander feiern können, zusammen helfen, dass sie ein Fest für die ganze Gemeinde und der Region stemmen können und zu guter Letzt auch von den Bürgern aus allen Ortsteilen und über die Gemeindegrenzen hinaus angenommen wurde.
Ob Biertische, Getränke oder Essen, alles musste nachgeordert werden. So saßen letztendlich sogar rund 60 bis 70 Besucher mit den Bierbänken auf der gesperrten Bundesstraße. Und auch auf der Feichtner Straße reihten sich die Sitzgelegenheiten weit hinein bis zum Alten Feuerwehrhaus hin, weil der Platz vor dem Rathaus und dem nebenanliegenden Parkplatz komplett überfüllt waren. Zwischendurch bat der Veranstalter, die Gäste sollen nicht wieder gehen, sondern Anton Schwendl, der hiesige Bräu, würde weitere Bierbänke holen. Und der war angesichts des Besucherandrangs ohnehin mehrmals mit dem Getränkenachschub gefordert. Geduld brauchte es bei der Essensausgabe, denn keiner hatte mit so einem Ansturm gerechnet.
Kurz vor zehn Uhr machten sich die Emertshamer Maibaumdiebe von Kirchstätt, wo der Maibaum gelagert, hergerichtet wurde und immer gut bewacht war, zuerst mit einem Traktorengespann in Richtung Tacherting auf. Am Feuerwehrhaus stärkten sich die Maibaumdiebe für den anstehenden rund eineinhalb Kilometer Marsch. Vorher wurde der Wagen umgespannt auf einen prächtigen Pferde-Vierspänner vom Gestüt Gierlinger aus Kirchweidach. Rund 90 Emertshamer marschierten dann, angeführt von der Blaskapelle Emertsham mit dem schön geschmückten Maibaum bis zum Festplatz ein. Zwar wurden die durstigen Emertshamer schon während dem beschwerlichen sich ziehenden Weg von den Enzianfreunden mit Gerstensaft zum Festplatz gelockt, aber es half alles nichts. Die Maibaumdiebe aus den Reihen des König-Ludwig-Vereins und der Emertshamer Feuerwehr wollten ihr hergerichtetes Stangerl schon ansprechend ausgelöst haben. So boten die zwei Verhandler von den Enzianfreunden Florian Belitzer und Franz Disterer erstmal Durscht löschende 50 Liter Rhabarberschorle an. Im Gegenzug forderte der Verhandlungsführer der Maibaumdiebe Done Gruber 200 Liter Bier, 200 Rüscherl und Essen für jeden Maibaumaufsteller. Franz Disterer meinte, man hätte auch noch vom Adventsmarkt übrige Gulaschsuppe und die schmecke aufgewärmt besonders gut. Und dazu vielleicht noch 100 Maß Bier und 80 Rüscherl. Letztendlich einigte man sich auf 120 Maß Bier, 100 Rüscherl und für jeden Maibaumaufsteller ein Essen. Bürgermeister Werner Disterer schob noch 50 Liter Bier hinten nach für die Maibaumdiebe beim Helferfest.
So stellten die Maibaumdiebe das 25 Meter lange Stangerl (plus der Spitze mit einem großen Enzian dann knapp 26 Meter), abgesichert mit einem Kran, aber nur mit "Irxenschmalz" und mit den Schwaiberln vor dem Rathaus auf. Hierbei bot sich eine wunderbare Kulisse. Volle Bierbänke, viele Menschen standen rundum und beobachteten das Spektakel des Maibaumaufstellens unter der Regie von Konrad Breu und Gerhard Bruckeder. Und als nach knapp zwei Stunden der Baum komplett in der Senkrechten stand, gab es lautstarken Applaus für die Maibaumaufsteller. Natürlich wurden auch gleich die 18 Taferln, die von den örtlichen Betrieben gesponsert wurden, montiert. Geschnitzt hat diese der Pallinger Kurt Fischer, der schon die Taferln des Emertshamer Maibaum geschnitzt hatte. Ein wahrer Künstler, wie Franz Disterer verdeutlichte. Die beiden Vorsitzenden, Florian Belitzer und Franz Disterer, waren beim Dank emotional total gerührt von dem Besucherandrang. Das habe man so nicht erwartet, meinte Belitzer. Er dankte namentlich allen Ortvereinen, allen Sponsoren, der Blaskapelle Emertsham für die launige Unterhaltung, der Gemeinde und dem Bauhof sowie allen Helfern die zum Gelingen des Fests beigetragen haben.
Auch Bürgermeister Werner Disterer zeigte sich begeistert und überwältigt. "Ein großes Fest für die gesamte Gemeinde, das von den Bürgern auch so toll angenommen wurde. Gratulation und höchsten Respekt vor dem Mut der Enzianfreunde, so ein Fest auf die Beine zu stellen. Alle beteiligten Vereine haben ihr Bestes gegeben und so auch zum Gelingen beigetragen. Dass den Baum von den Emertshamern gestohlen und auch wieder zurückgebracht wurde, war für mich ein tolles und sichtbares Zeichen für die hervorragende Zusammenarbeit der einzelnen Ortsteile. Fazit: nicht nur Tacherting lebt, sondern die Ortsteile der Gemeinde Tacherting arbeiten zusammen und sorgen für ein tolles Fest. Der Wettergott meinte es wieder sehr gut mit uns, genauso wie letztes Jahr auf der Kampenwand - das letzte tolle Fest der Gemeinde Tacherting.
Zum Abend hin lichteten sich die Bierbänke und er verlagerte sich alles langsam an die Bars, wo es unter anderem eine eigene Zapfsäule für Rüscherl gab. Um zehn war Schluss, die letzten Gäste gingen um elf. Aber am Samstagmorgen waren alle fleißigen Helfer schon wieder auf den Beinen und halfen beim zam räumen mit, genauso wie am Donnerstag vor dem Fest beim Aufbauen. Ein tolles miteinander. -hm
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der 1. Mai 2026